7. März 2026
Wie schon in den letzten beiden Jahresrückblicken angemerkt, verliert die Auflistung der Bestseller mehr und mehr ihren Reiz, denn es tummeln sich größtenteils doch stets die üblichen Verdächtigen auf den vorderen Plätzen. Und das sind überwiegend alte Klassiker à la "1984", "Per Anhalter durch die Galaxis" usw.
Im Zuge von aktuellen Film- oder Serienadaptionen tauchen dann zusätzlich (ebenfalls altbekannte) Titel wie "Der Wüstenplanet", "Foundation" oder "Die drei Sonnen" auf.
Um hier also nicht jährlich dieselben - oder sich zumindest stark ähnelnden - Listen aufzuführen, sollen an dieser Stelle lieber wieder ein paar zuletzt gut verkaufte, aber eben aktuelle Romane aufgelistet werden. Keine strenge Bestseller-Top 5/10/20 also, sondern einfach ein kleiner Überblick über angesagte Science-Fiction-Bücher des vergangenen Jahres.
Die Preisträger des Jahres
(Romane)
Trend 2025:
K.I.
Sie ist überall! Um in der Welt der Literatur zu bleiben: K.I. wird zunehmend für Titelbildgestaltung, Übersetzungen, Marketingstrategien und sogar komplette Buch-Inhalte eingesetzt.
Problem: Von sogenannter künstlicher "Intelligenz" produzierte Dinge sind emotions- und seelenlos. Das ist logischerweise per Definition so, da Computer bzw. Algorithmen nun mal nicht selbstständig denken, fühlen oder erschaffen können. Sie greifen ausschließlich auf etwas zu, was bereits existiert.
Oftmals ist K.I.-Erzeugnissen diese "Kälte" anzumerken. Aber machen wir uns nichts vor: das wird seltener. Schon jetzt lassen sie sich oft nicht mehr eindeutig als "künstlich" erkennen, und die Qualität des algorithmusbasierten Outputs wird weiter steigen.
Und daraus folgt schon mal eine Sache, die man "der K.I." - bzw. ganz allgemein dieser Entwicklung - vorwerfen kann: Sie stellt jeden echten Künstler unter Generalverdacht. Wie erfolgreiche Sportler automatisch des Dopings verdächtigt werden, so sieht sich mittlerweile auch ein kreativer Mensch, der etwas originelles erschaffen hat, mit der Frage "Ist das etwa mit Hilfe von K.I. erstellt?" konfrontiert. Das nervt die Betroffenen und nimmt auch Konsumierenden ein wenig die Freude an der Kunst. Denn bei aller Begeisterung für ein Werk nagt neuerdings im Hintergrund stets der Zweifel, ob das denn auch wirklich alles auf kreativer Eigenleistung beruht, oder ob man sich hier vielleicht gerade für ein stumpf aus Einsen und Nullen errechnetes Ergebnis begeistert.
Wie mit jeder neuen Erfindung lässt sich auch mit K.I. sowohl Gutes als auch Negatives anstellen. In der Medizin, um nur mal ein Beispiel zu nennen, finden sich zweifellos viele nützliche und hilfreiche Anwendungen. Auf der anderen Seite werden Manipulationen und Betrügereien vereinfacht und zugleich schwerer zu entlarven. Von Problemen wie absurdem Energieverbrauch oder Diebstahl geistigen Eigentums ganz zu schweigen.
Dass aber ausgerechnet auch kreative Prozesse zunehmend von K.I. übernommen werden, ist natürlich das genaue Gegenteil von dem, was uns die Science-Fiction-Literatur jahrzehntelang versprochen hat. Die Verheißung war doch: Unangenehme Arbeiten werden von Computern und Robotern übernommen, damit wir Menschen mehr Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens haben.
So langsam schleicht sich jedoch der Verdacht ein: wir müssen mehr arbeiten (wie ja aktuell aus gewissen Kreisen gefordert wird), und die Maschinen können sich währenddessen in Kunst, Malerei, Literatur oder Musik austoben. Irgendwas läuft hier falsch!
Was also tun? Nun, die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Außerdem ist sie wie gesagt in manchen Bereichen durchaus sinnvoll und ein echter Fortschritt. In den Bereichen Kunst, Kultur und Literatur hingegen wäre zumindest eine Kennzeichnungspflicht dringend erforderlich. Und beim Konsumieren sollten wir alle darauf achten, nicht unhinterfragt jeglichen K.I.-Schlonz zu übernehmen und mitzumachen. Denn einerseits verlieren dadurch etliche kluge und kreative Menschen ihre Lebensgrundlage, und andererseits wird der Markt jetzt bereits mit Massen an künstlich zusammengeschusterten und -geklauten Machwerken überschwemmt.
Das klingt nicht nur nach düsterer Science-Fiction, das kann doch auch kein Bücher-Fan wirklich wollen!
Andreas Brandhorst
Die Entdeckung (Origin 1)
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