7. März 2026

2025 - Ein kurzer Jahresrückblick



Die Bestseller

Wie schon in den letzten beiden Jahresrückblicken angemerkt, verliert die Auflistung der Bestseller mehr und mehr ihren Reiz, denn es tummeln sich größtenteils doch stets die üblichen Verdächtigen auf den vorderen Plätzen. Und das sind überwiegend alte Klassiker à la "1984", "Per Anhalter durch die Galaxis" usw.

Im Zuge von aktuellen Film- oder Serienadaptionen tauchen dann zusätzlich (ebenfalls altbekannte) Titel wie "Der Wüstenplanet", "Foundation" oder "Die drei Sonnen" auf.

 

Um hier also nicht jährlich dieselben - oder sich zumindest stark ähnelnden - Listen aufzuführen, sollen an dieser Stelle lieber wieder ein paar zuletzt gut verkaufte, aber eben aktuelle Romane aufgelistet werden. Keine strenge Bestseller-Top 5/10/20 also, sondern einfach ein kleiner Überblick über angesagte Science-Fiction-Bücher des vergangenen Jahres.

 

 

 

Suzanne Collins

Die Tribute von Panem - L



Maja Lunde

Für immer



Kaliane Bradley

Das Ministerium der Zeit



Ursula Poznanski

Erebos 3



Stuart Turton

Der letzte Mord am Ende der Welt



Tom Hillenbrand

Thanatopia

(Hologrammatica 3)



Christian Kracht

Air



Ian McEwan

Was wir wissen können




Die Preisträger des Jahres

(Romane)

Deutscher Science Fiction Preis

Ralph Alexander Neumüller

"Das zweigeteilte All"



Kurd Laßwitz Preis

(deutsch)

Aiki Mira

"Proxi"



Kurd Laßwitz Preis

(international)

Becky Chambers

"Dex & Helmling (Dilogie)"

 



Hugo Award

Robert Jackson Bennett

"The Tainted Cup"

 

 



Nebula Award

John Wiswell

"Someone You Can Build A Nest In"

{noch nicht ins Deutsche übersetzt} 

 



Locus Award

Alexander Boldizar

"The Man Who Saw Seconds"

{noch nicht ins Deutsche übersetzt} 

 



Arthur C. Clarke Award

Sierra Greer

"Annie Bot"

 {noch nicht ins Deutsche übersetzt}



sf-Lit Award

Theresa Hannig

"Parts Per Million

 




Trend 2025:

K.I.

 

Sie ist überall! Um in der Welt der Literatur zu bleiben: K.I. wird zunehmend für Titelbildgestaltung, Übersetzungen, Marketingstrategien und sogar komplette Buch-Inhalte eingesetzt.

 

Problem: Von sogenannter künstlicher "Intelligenz" produzierte Dinge sind emotions- und seelenlos. Das ist logischerweise per Definition so, da Computer bzw. Algorithmen nun mal nicht selbstständig denken, fühlen oder erschaffen können. Sie greifen ausschließlich auf etwas zu, was bereits existiert.

Oftmals ist K.I.-Erzeugnissen diese "Kälte" anzumerken. Aber machen wir uns nichts vor: das wird seltener. Schon jetzt lassen sie sich oft nicht mehr eindeutig als "künstlich" erkennen, und die Qualität des algorithmusbasierten Outputs wird weiter steigen.

 

Und daraus folgt schon mal eine Sache, die man "der K.I." - bzw. ganz allgemein dieser Entwicklung - vorwerfen kann: Sie stellt jeden echten Künstler unter Generalverdacht. Wie erfolgreiche Sportler automatisch des Dopings verdächtigt werden, so sieht sich mittlerweile auch ein kreativer Mensch, der etwas originelles erschaffen hat, mit der Frage "Ist das etwa mit Hilfe von K.I. erstellt?" konfrontiert. Das nervt die Betroffenen und nimmt auch Konsumierenden ein wenig die Freude an der Kunst. Denn bei aller Begeisterung für ein Werk nagt neuerdings im Hintergrund stets der Zweifel, ob das denn auch wirklich alles auf kreativer Eigenleistung beruht, oder ob man sich hier vielleicht gerade für ein stumpf aus Einsen und Nullen errechnetes Ergebnis begeistert.

 

Wie mit jeder neuen Erfindung lässt sich auch mit K.I. sowohl Gutes als auch Negatives anstellen. In der Medizin, um nur mal ein Beispiel zu nennen, finden sich zweifellos viele nützliche und hilfreiche Anwendungen. Auf der anderen Seite werden Manipulationen und Betrügereien vereinfacht und zugleich schwerer zu entlarven. Von Problemen wie absurdem Energieverbrauch oder Diebstahl geistigen Eigentums ganz zu schweigen.

 

Dass aber ausgerechnet auch kreative Prozesse zunehmend von K.I. übernommen werden, ist natürlich das genaue Gegenteil von dem, was uns die Science-Fiction-Literatur jahrzehntelang versprochen hat. Die Verheißung war doch: Unangenehme Arbeiten werden von Computern und Robotern übernommen, damit wir Menschen mehr Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens haben.

So langsam schleicht sich jedoch der Verdacht ein: wir müssen mehr arbeiten (wie ja aktuell aus gewissen Kreisen gefordert wird), und die Maschinen können sich währenddessen in Kunst, Malerei, Literatur oder Musik austoben. Irgendwas läuft hier falsch!

 

Was also tun? Nun, die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Außerdem ist sie wie gesagt in manchen Bereichen durchaus sinnvoll und ein echter Fortschritt. In den Bereichen Kunst, Kultur und Literatur hingegen wäre zumindest eine Kennzeichnungspflicht dringend erforderlich. Und beim Konsumieren sollten wir alle darauf achten, nicht unhinterfragt jeglichen K.I.-Schlonz zu übernehmen und mitzumachen. Denn einerseits verlieren dadurch etliche kluge und kreative Menschen ihre Lebensgrundlage, und andererseits wird der Markt jetzt bereits mit Massen an künstlich zusammengeschusterten und -geklauten Machwerken überschwemmt.

Das klingt nicht nur nach düsterer Science-Fiction, das kann doch auch kein Bücher-Fan wirklich wollen!

 



Interessante Neuerscheinungen des Jahrgangs 2025, die ausprobiert werden wollen

Niels Westerboer

Lyneham

Nach "Athos 2643" der nächste Geniestreich



Rie Qudan

Tokyo Sympathy Tower

Brisante, aktuelle SF aus Japan



Anton Hur

Toward Eternity

Poetisch, philosophisch, außergewöhnlich



Andreas Brandhorst

Die Entdeckung (Origin 1)

Auftakt zu einer Trilogie in Zusammenarbeit mit Joshua Tree und Brandon Q. Morris



Yvonne Tunnat & Chris Witt

(Hrsg.)

Ihr Körper, das Schiff

Endlich: Aktuelle SF-Kurzgeschichten, frisch ins Deutsche übersetzt



Alastair Reynolds

Das Schiff der flüsternden Träume

Lest auch die Großen des Genres, so lange sie noch übersetzt werden



Becky Chambers

Und hoffentlich zu lernen ...

Eine der spannendsten Stimmen der modernen SF



Bijan Moini

2033

Nie wieder ist jetzt



Ursula K. LeGuin

Lavinia

Der letzte Roman der Altmeisterin, erstmals auf Deutsch




Persönlichkeiten, die fehlen werden

Thomas Rabenstein

(15.03.1963 - 02.02.2025)

SF-Reihen - Autor

 

 

Swen Papenbrock

(27.10.1960 - 10.03.2025)

Perry Rhodan - Titelbildkünstler

  

 

Rainer Schorm

(09.08.1965 - 11.03.2025)

Perry Rhodan NEO - Autor

 

 

John Varley

(09.08.1947 - 10.12.2025)

Vielfacher Hugo-, Nebula- und Locus Award - Preisträger

 



Der Science Fiction - Jahresrückblick 2025