Kaliane Bradley

Das Ministerium der Zeit

"The Ministry of Time" 

 

2024

   

 

 

 

Übersetzung: Sophie Zeitz

Penguin

383 Seiten



 

Der Debütroman der britisch-kambodschanischen Autorin Kaliane Bradley ist eine Zeitreisegeschichte, deren Grundidee an die „Miss Maxwell“-Reihe von Jodi Taylor erinnert. Auch hier gibt es eine staatliche Institution, die sich um den (gemäßigten und kontrollierten) Einsatz der Erfindung „Zeitreise“ kümmert; auch hier gerät die Ich-Erzählerin eher zufällig in diese Einrichtung; auch hier ist der Schreibstil angenehm lesbar und leicht humorvoll.

Ein weiterer Pluspunkt im "Ministerium der Zeit" ist, dass die Geschichte direkt startet. Es werden also keine langwierigen, pseudo-wissenschaftlichen Erklärungsversuche geliefert, sondern direkt erklärt: das ist die Situation und los geht’s!

 

Die Handlung in diesem Roman dreht sich nicht um wildes hin- und herreisen in der Zeit und um das Manipulieren der Weltgeschichte, sondern um einen ganz bestimmten Aspekt: eine Handvoll Menschen aus verschiedenen Epochen der Vergangenheit wird, kurz bevor sie „normalerweise“ gestorben wären, in die Gegenwart transferiert. Dort sollen sie nun ganz langsam und unter Anleitung an die für sie fremde Welt herangeführt werden. Einerseits, um somit irgendwann ein eigenständiges, neues Leben beginnen zu können, aber zugleich dienen sie natürlich auch als Forschungsobjekte, um herauszufinden, was solche Zeitreisen physisch wie psychisch mit den Menschen machen.

 

Durch den Fokus auf diesen speziellen Aspekt, indem die Autorin so verschiedene Welten aufeinanderprallen lässt, entsteht das Besondere, Außergewöhnliche dieser Geschichte. Anhand vieler Details wird klar, wie sehr jeder Mensch in seiner Zeit verhaftet ist. Das betrifft nicht nur technische Neuerungen, die für jemanden aus der Vergangenheit natürlich erstmal fremdartig und wundersam erscheinen, sondern nicht zuletzt auch die sich wandelnden Wertesysteme, Vorstellungen und Weltanschauungen, die alle zu ihrer jeweiligen Zeit „normal“ sind, zu einem anderen Zeitpunkt aber eben gar nicht. Sehr spannend.

 

Was man dem Buch vorwerfen kann, ist allerdings, dass es spätestens ab der Mitte ziemlich viel Leerlauf gibt. So interessant die Ausgangssituation auch ist, die eigentliche Handlung tritt dann doch lange Zeit allzu sehr auf der Stelle. Am Ende hingegen überstürzen sich plötzlich die Ereignisse. Damit werden, praktisch auf den letzten Drücker, viele offene Fragen beantwortet und jede Menge Stoff zum Nachdenken geboten. Das ist wiederum gut - aber eine etwas ausgewogenere „Balance“ hinsichtlich Tempo und Handlungsdichte hätte der Geschichte gutgetan.

 

 

So bleibt am Ende trotz tollen Einstiegs, vieler interessanter Ideen und gelungener Auflösung „nur“ ein leicht überdurchschnittlicher Roman und das Gefühl, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre.

 

 


Kaliane Bradley

Das Ministerium der Zeit

Eine sf-Lit Kurzkritik von 2026