Rainer Zuch

Planet des dunklen Horizonts

 

2019

 

    

 

 

 

Blitz

100 Seiten



Das Buch besteht aus einer Kurzgeschichte namens "Der Besucher" sowie dem eigentlichen Kernstück, einer Novelle mit dem Titel "Der Außenposten". Bei dieser handelt es sich um die überarbeitete Fassung eines bereits 2017 in zwei Heftromanen des TES Verlags erschienenen Textes.
Die Handlung der Vorgeschichte ist knapp zwanzig, die Novellenhandlung rund fünfzig Jahre in der Zukunft angesiedelt, das Objekt der Forschung ist jeweils der Zwergplanet Pluto. Während "Der Besucher" die auf der Erde spielende Vorgeschichte erzählt, geht es in "Der Außenposten" dann um echte Vor-Ort-Recherche: Nachdem bereits zwei Pluto-Sonden, die kurz zuvor noch seltsam verstörende Bilder zur Erde gesendet hatten, auf mysteriöse Weise verschwunden waren, wird nun erstmals eine bemannte Mission losgeschickt. Und wie könnte es anders sein: die vierköpfige Crew stößt am Zielort auf Überraschendes ... und Schreckliches.


Die offenbar nachträglich entstandene und der ursprünglichen Story als 'Prequel' vorangestellte Kurzgeschichte ist stilistisch wesentlich schwächer als der Haupttext und inhaltlich zudem verzichtbar. Sie dient wohl in erster Linie dazu, das Ganze zu einem vollständigen Buch aufzupumpen. Man sollte sich von diesem Vorgeplänkel aber nicht abschrecken lassen und selbst ein komplettes Überspringen wäre kein Fehler; man verpasst dadurch nichts wichtiges. 
So oder so: Ein Vordringen bis zur zweiten Geschichte "Der Außenposten" lohnt sich auf jeden Fall, denn die hat es in sich.

 

In Stil und Aufbau orientiert sich die Novelle an alten, klassischen Schauergeschichten des späten neunzehnten oder frühen zwanzigsten Jahrhunderts: die Ereignisse werden in Form eines Berichts rückblickend von einer direkt beteiligten Person geschildert, wobei bereits zu Beginn schreckliche Dinge und ein schlimmes Ende angekündigt werden. Die Bezugnahme auf Poe, Blackwood oder natürlich insbesondere Lovecraft, der sogar ausdrücklich erwähnt und zitiert wird, ist also offensichtlich. Und tatsächlich funktioniert diese Herangehensweise ganz hervorragend.
Von der ersten Seite an lauert das Unheimliche bereits im Hintergrund, die Spannung steigert sich kontinuierlich und als das Grauen dann schließlich zutage tritt, ist es sehr packend und eindringlich beschrieben. Modernes wird hier mit altmodischem verknüpft, das leicht angestaubte Vorbild gekonnt ins einundzwanzigste Jahrhundert transportiert.

Für Fans von "kosmischem Horror" nach lovecraftschem Vorbild eine unbedingte Leseempfehlung.


Rainer Zuch

Planet des dunklen Horizonts

Eine sf-Lit - Kurzkritik von 2020