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22. Dezember 2023

sf-Lit Award 2023

 

Es ist soweit: Der Siegerroman

des sf-Lit Award steht fest!

Gewonnen hat

 

 

"Die Berechnung der Sterne"

von Mary Robinette Kowal

Herzlichen Glückwunsch!

 

 

Die Übersicht über alle Werke der 2023er Long- bzw. Shortlist findet sich HIER.

Zur Liste mit allen bisherigen Preisträgern geht's unter DIESEM LINK.

 

 

  


 

 

"Die Berechnung der Sterne" erzählt (unter anderem) eine Parallelweltgeschichte, in der ein Meteoriteneinschlag Anfang der 1950er Jahre dafür sorgt, dass – um der voraussichtlich bald unbewohnbaren Erde zu entfliehen – das Raumfahrtprogramm weltweit entschlossen vorangetrieben und beschleunigt wird. Die Hauptfigur ist eine junge Mathematikerin, die davon träumt, dass auch Frauen (am liebsten sie selbst) Astronautinnen werden können … ein in der damaligen Welt der selbstverständlich scheinenden männlichen Dominanz schwer vorstellbares Ansinnen.

 

Mary Robinette Kowals Roman ist mehreres zugleich: da gibt es zunächst einmal die klassischen SF-Tropes wie Raumfahrt und Alternativewelt, die beide sehr kenntnisreich bearbeitet werden. Technische Hintergründe werden erläutert und interessant aufbereitet, ohne mit allzu genauen Details zu langweilen. Die alternative Zeitlinie ist hervorragend durchdacht und verknüpft gekonnt tatsächliche mit fiktiven Ereignissen. Außerdem haben wir hier einen historischen Roman, denn die Welt der 1950er Jahre, der damalige Alltag und ihre gesellschaftlichen "Normen" werden sehr plastisch und glaubhaft dargestellt. Auch hier wurde ganz offensichtlich gewissenhaft recherchiert.

Über alledem schwebt das zentrale Thema des Romans, welches man vereinfacht mit "Gleichberechtigung" oder "Emanzipation" zusammenfassen könnte. Es geht um die Rolle der Frauen und ihre Schwierigkeiten, sich einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen, aber auch um andere unterdrückte Menschen, die von Geburt an, beispielsweise durch die bloße Farbe ihrer Haut, benachteiligt werden. Dabei wird jederzeit deutlich: im Vergleicht zu jener Zeit wurde zwar schon viel erreicht, aber bis zum Ziel einer ganz und gar gleichberechtigten Gesellschaft liegt leider immer noch ein weiter Weg vor uns.

 

 

Bei all diesen interessanten und relevanten Themen hat die Autorin aber eines nicht vergessen: eine spannende und unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Kurzum: ein rundum gelungenes Gesamtpaket!

 

Im amerikanischen Original sind bereits zwei Fortsetzungsbände erschienen und es sollen wohl noch weitere folgen. Zumindest der 2. Teil ist unter dem Titel "Für die Sterne bestimmt" ebenfalls auf deutsch erhältlich; leider sieht es momentan so aus, dass es dabei bleiben wird. Das ist natürlich sehr bedauerlich, aber "Die Berechnung der Sterne" erzählt eine runde und durchaus in sich abgeschlossene Geschichte, so dass man hier bedenkenlos zuschlagen kann. Besser gesagt: sollte!